In-vitro-Fertilisation (IVF)

Eine der ältesten und bis heute angewendeten Methoden der künstlichen Befruchtung bei der Behandlung der Unfruchtbarkeit ist die standardmäßige IVF (In-vitro-Fertilisation).

Mithilfe dieser Methode erblicken alljährlich einige Millionen Babys das Licht der Welt.

1978 wurde das erste Kind geboren, das mithilfe dieser Methode empfangen wurde: Louise Brown in Großbritannien, die ihre Geburt einem Ärzteteam unter Leitung von Robert Edwards und Patrick Steptoa verdankte. Nur vier Jahre später wurde in der damaligen ČSSR das erste Kind nach Anwendung dieser Methode geboren.

Diese Methode ist namentlich da angebracht, wo eine ausreichende Anzahl von Eizellen gewonnen werden kann, das Spermiogramm gute Parameter aufweist, die Frau jung ist und es sich um den ersten oder zweiten Versuch handelt oder wenn die Prozentzahl der befruchteten Eizellen etwas geringer, als bei Anwendung der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion ist. Bei einem gewissen Prozentsatz der Fälle droht jedoch das völlige Versagen der Fertilisation.

Deshalb raten wir in folgenden Fällen von der standardgemäßen IVF ab: bei vorangegangenem Misserfolg, bei zu geringer Anzahl der gewonnenen Oozyten (weniger als 5), bei verschlechterten Spermiogrammparametern, bei immunologischen Unfruchtbarkeitsursachen, bei Frauen über 35 Jahren und bei Endometriose.

Die standardgemäße IVF erfolgt in folgenden Schritten:

  1. Der erste Schritt ist die hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Die Applikation der Hormone erfolgt mittels subkutaner Injektionen, das Reifen einer ausreichenden Anzahl von Follikeln mit Eizellen in den Eierstöcken wird mittels Sonografie (Ultraschalluntersuchung) kontrolliert.
  2. Sobald die Eizellen reif sind, erfolgt ihre Entnahme. Dieser ambulante Eingriff ist minimal invasiv, er wird unter kurzer Anästhesie durchgeführt und dauert ca. 10-20 Minuten. Mittels eines Einstichs in die Scheidenwand und unter Kontrolle der transvaginalen Sonde eines Ultrasonografiegerätes saugt der Arzt die follikuläre Flüssigkeit mit den Oozyten in ein Reagenzglas ab und übergibt diese ins embryologische Labor. Der Embryologe sucht sofort die Eizellen heraus und bringt sie in einer speziellen Kulturschale mit Nährlösung im Thermostat (Brutschrank) unter. 2 bis 3 Stunden nach dem Eingriff wird die Frau samt Begleitung aus dem IVF-Zentrum entlassen, wobei sie bei Beschwerden die Möglichkeit zu telefonischen Konsultationen des Arztes hat.
  3. Am Tag der Eizellenentnahme und nach empfohlener 3-5-tägiger sexueller Abstinenz übergibt der Partner sein Sperma. Diese sexuelle Enthaltsamkeit wird empfohlen, um Sperma von möglichst hoher Qualität zu erhalten (ausreichende Anzahl und gute Beweglichkeit der Spermien). Die Spermaprobe wird im Labor zur Befruchtung der Eizellen aufbereitet – gewöhnlich durch Dichtegradientenzentrifugation, Perfusion und aktive Spermienmigration. Im Laufe der Spermienaufbereitung kommt es zum Prozess der sog. Kapazitation, der Aktivierung der Spermienmembran, die mit einer Beschleunigung der Spermienbewegung und dem Erwerb der Fähigkeit verbunden ist, an der Zona Pellucida anzuhaften, die Eizellenhülle zu durchdringen und die Eizelle zu befruchten. Diese Laboraufbereitung knüpft an den natürlichen Prozess an, der sich bei der spontanen Empfängnis beim Durchgang der Spermien durch den Gebärmutterhals, die Gebärmutter und die Eileiter zur Eizelle abspielt.
  4. Die entnommenen Eizellen und aufbereiteten Spermien werden zusammen in einem Kultivierungsthermostat (Brutschrank) aufbewahrt. Zur Befruchtung der Eizellen kommt es spontan, nachdem die Spermien aus eigener Kraft in die Eizellen eingedrungen sind.
  5. 16-20 Stunden nach der Zugabe der Spermien zu den Eizellen kontrolliert der Embryologe die Fertilisation (Befruchtung) bzw., wie viele von ihnen befruchtet wurden. Die absolute Mehrheit (mehr als 95 %) der befruchteten Eizellen entwickeln sich dann bis zum Furchungsstadium des Embryos.
  6. Es folgt eine 3-6-tägige Kultivierung der Embryos im Labor. Die Embryos werden jeden Tag kontrolliert und die Entwicklung der Embryos wird vermerkt.
  7. Diese Methode gipfelt im ET (Embryotransfer), d.h. der Übertragung eines oder zweier Embryonen in den Uterus. Alles in allem eine durchweg schmerzfreie Methode. Das Transferset (ein hohles Einweg-Katheter), das die Kulturlösung mit dem/den Embryo/Embryonen enthält, wird durch die Scheide und die Portio vaginalis des Gebärmutterhalses in die Gebärmutterhöhle eingeführt und unter Sonografiekontrolle wird eine minimale Menge Kultivierungslösung in die Gebärmutter appliziert.
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